Eine gute Tauchroute beginnt mit einem Plan
Unter Wasser hast du nicht immer gute Sicht auf deine Umgebung. Orientierungspunkte können weniger deutlich sein als erwartet, und es ist nicht immer einfach festzustellen, wo du genau bist.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Tauchgang über die Route nachzudenken. Wo beginnst du? Welche Punkte willst du erreichen? Welcher Richtung folgst du zwischen diesen Punkten, und wie navigierst du zurück?
Eine Route muss dafür nicht kompliziert sein. Ein Einstieg, einige deutliche Punkte und eine Beschreibung der Strecken dazwischen können schon ein brauchbarer Ausgangspunkt sein.
Lege vorher fest, welchen Kurs du schwimmen willst, wie weit die nächsten Punkte ungefähr auseinanderliegen und welche Orientierungspunkte du unterwegs erwartest. Denke auch an den Rückweg und daran, was du tust, wenn du einen Punkt nicht findest.
Navigieren mit dem Tauchkompass
Ein Tauchkompass hilft dir, unter Wasser eine gewählte Richtung zu halten. Du stellst einen Kurs ein und prüfst mit der Kompassrose und den Markierungen, ob du dieser Richtung weiter folgst.
Ein Kompass zeigt dir, in welche Richtung du zeigst, aber nicht automatisch, wo du dich befindest. Außerdem kann dich Strömung seitlich versetzen, während der Kompass noch denselben Kurs anzeigt. Deshalb kombinierst du den Kompasskurs mit der zurückgelegten Entfernung und mit Orientierungspunkten.
Wie hältst du einen Tauchkompass?
Halte den Kompass vor dir, etwa auf Brusthöhe, mit dem Steuerstrich in Linie mit deiner Körperachse. Halte ihn so waagerecht wie möglich, damit sich die Kompassrose frei drehen kann und gut ablesbar bleibt.
Schau in die Richtung, in die du schwimmst, und halte Arme und Kompass so ruhig wie möglich. Drehe deinen ganzen Körper, um die Richtung zu ändern, statt nur das Handgelenk zu drehen, während dein Körper in eine andere Richtung zeigt.
Übe das zuerst in ruhigem Wasser. Du wirst merken, dass schon eine kleine Änderung der Haltung von Handgelenk oder Körper beeinflusst, wie leicht du dem Kurs folgst.
Achte auch auf Metallgegenstände und magnetische Geräte in der Nähe. Sie können die Anzeige eines Kompasses beeinflussen. Zeigt dein Kompass unerwartete oder wechselnde Richtungen, prüfe, ob du ihn richtig hältst und ob es mögliche Störquellen in der Nähe gibt.
Die wichtigsten Teile eines Tauchkompasses
Um einen Tauchkompass zu benutzen, ist es hilfreich zu wissen, welche Teile dir beim Einstellen und Halten eines Kurses helfen.
- Der Steuerstrich (lubber line)
- Der feste, meist leuchtend rote Strich quer durch die Mitte des Kompassgehäuses. Beim Tauchen zeigt er deine Schwimmrichtung an und liegt parallel zu deiner Körperachse. Mit ihm liest du den gefolgten Kurs ab.
- Die Kompassrose oder Kompassnadel
- Die bewegliche, magnetische Scheibe im Kompass. Norden (N) zeigt nach magnetisch Nord. Auf der Rose stehen die Grade von 0° bis 360° und oft die Himmelsrichtungen. Die Flüssigkeit im Kompass dämpft die Bewegungen der Rose.
- Der Drehring (Lünette)
- Der drehbare Ring außen am Kompassgehäuse. Damit stellst du einen Kurs ein. Die Markierungen auf dem Ring helfen dir, beim Schwimmen zu prüfen, ob du die gewählte Richtung hältst.
- Die Indexmarkierungen
- Bei vielen Tauchkompassen besteht eine Markierung aus zwei Strichen oder Punkten, die zusammen wie ein Häuschen aussehen. Auf der gegenüberliegenden Seite, 180 Grad weiter, steht ein einzelner Strich. Die Markierungen helfen dir, die Kompassrose beim Folgen eines eingestellten Kurses in der richtigen Lage zu halten. Die gegenüberliegende Markierung kann auch beim Halten des Rückkurses helfen.
- Das Kompassgehäuse
- Die durchsichtige, mit Flüssigkeit gefüllte Kapsel, in der die Kompassrose sitzt. Die Flüssigkeit dämpft schnelle Bewegungen, sodass die Rose ruhiger ablesbar bleibt. Das Gehäuse schützt die Teile und ist für den Einsatz unter Wasser gebaut.
- Das Seitenfenster (side-view window)
- Manche Tauchkompasse haben ein kleines Fenster an der Seite des Gehäuses. Damit liest du den Kurs in Grad geradeaus ab, während du den Kompass in Schwimmrichtung hältst. Nicht jedes Modell hat ein solches Fenster.
Wie stellst du einen Kurs ein?
Du stellst den Drehring ein, bevor du losschwimmst, oder während du in die richtige Richtung schaust. Die Reihenfolge:
- Richte den Steuerstrich auf dein Ziel: den Orientierungspunkt oder die Richtung, in die du willst.
- Drehe den Drehring, bis die Nordnadel genau im Häuschen liegt.
- Schwimm vorwärts und halte die Nordnadel im Häuschen.
Folgst du einem Kurs aus einer Route, etwa 120°? Drehe zuerst den Drehring, bis 120° am Steuerstrich steht. Drehe dann deinen Körper, bis die Nordnadel im Häuschen liegt, und schwimm in diese Richtung.
Die genaue Bedienung unterscheidet sich je nach Kompasstyp. Das wichtigste Prinzip ist, dass du dem eingestellten Kurs folgst, indem du die Lage der Kompassrose zu den Markierungen im Blick behältst.
Schau beim Schwimmen nicht ständig nur auf den Kompass. Schau auch nach vorn und achte auf deine Umgebung. Dem Kurs folgen und die Umgebung beobachten gehören zusammen.
Was ist ein Kompasskurs?
Ein Kompasskurs ist eine Richtung, die in Grad angegeben wird. Ein voller Kreis hat 360 Grad.
- 0° oder 360° Nord
- 90° Ost
- 180° Süd
- 270° West
Eine Route besteht oft aus mehreren Abschnitten. Du schwimmst zum Beispiel zuerst 60 Meter auf einem Kurs von 110° und änderst dann die Richtung, um den nächsten Punkt zu erreichen.
Wenn du Kurs und Entfernung je Abschnitt festhältst, wird klar, wie die Route aufgebaut ist. Das hilft beim Tauchen, aber auch, wenn du die Route vorher auf einer Karte ansiehst oder mit einem anderen Taucher besprichst.
Karte und Kompass: die Missweisung
Eine Karte zeigt nach geografisch Nord, ein Kompass nach magnetisch Nord. Der Unterschied heißt Missweisung oder Deklination. In den Niederlanden liegt sie derzeit bei etwa 2 bis 3° Ost: Eine Richtung von 220° auf der Karte ist auf dem Kompass 218°. Bei jeder Route auf Duiken Centraal ist die Missweisung schon eingerechnet; die Kurse stellst du also direkt am Kompass ein.
Beispiel: entlang der Zeelandbrücke
| Abschnitt | Entfernung | Kompasskurs |
|---|
| Pfeiler 1 → Pfeiler 2 | 95 m | 218° |
| Pfeiler 2 → Pfeiler 3 | 95 m | 218° |
| Pfeiler 3 → Pfeiler 1 | 190 m | 038° |
Die Positionen stammen aus dem niederländischen großmaßstäbigen Topografieregister (BGT), die Kurse sind Kompasskurse mit der Missweisung von 2026. Direkt an den Pfeilern ist der Kompass wegen des Stahls unzuverlässig; dort ist die Pfeilerreihe der Orientierungspunkt und der Kurs die Kontrolle.
Wie misst du Entfernungen unter Wasser?
Ein Kurs sagt dir, in welche Richtung du schwimmst. Die Entfernung hilft dir abzuschätzen, wann du ungefähr am nächsten Punkt ankommen solltest. Unter Wasser kannst du diese Entfernung nicht immer einfach ablesen, aber es gibt mehrere Wege, damit umgehen zu lernen.
Übe mit deinen Flossenschlägen
Eine praktische Methode ist, deine Flossenschläge zu zählen. Dafür musst du zuerst wissen, wie weit du im Durchschnitt mit einer bestimmten Zahl von Schlägen kommst. Das kannst du in einem Schwimmbad mit bekannter Länge üben:
- Schwimm eine feste Strecke, zum Beispiel 25 Meter, in ruhigem, gleichmäßigem Tempo.
- Zähle, wie viele Flossenschläge du für diese Strecke brauchst.
- Wiederhole die Übung ein paarmal und bestimme deinen Durchschnitt.
- Nutze diesen Durchschnitt, um beim Tauchen eine Entfernung ungefähr zu schätzen.
Angenommen, du brauchst im Durchschnitt 40 Flossenschläge für 25 Meter. Dann entspricht ein Schlag in dieser Übung etwa 0,6 Metern. Für eine Strecke von 60 Metern würdest du dann etwa 100 Schläge erwarten.
Das ist ein Beispiel, keine feste Umrechnung. Dein Flossenschlag verändert sich durch Strömung, Ermüdung, Trimm, Ausrüstung und Tempo. Übe daher auch mit der Ausrüstung, mit der du tauchst, und betrachte das Ergebnis als Schätzung.
Nutze ein gleichmäßiges Tempo
Du kannst Entfernungen auch schätzen lernen, indem du ein gleichmäßiges Schwimmtempo übst. Weißt du, wie lange du normalerweise für eine bestimmte Strecke brauchst, kannst du diese Erfahrung zum Planen von Abschnitten nutzen.
Diese Methode ist weniger zuverlässig, wenn sich dein Tempo ändert oder wenn du gegen die Strömung schwimmst. Nutze die Zeit daher nicht als einzige Möglichkeit, deine Position zu bestimmen.
Kombiniere Entfernung mit Orientierungspunkten
Keine Entfernungsmethode ist unter allen Bedingungen exakt. Deshalb funktioniert Navigation am besten, wenn du mehrere Hinweise kombinierst.
Erwartest du nach etwa 60 Metern eine Veränderung des Grundes oder ein erkennbares Objekt? Dann nutze sowohl deine geschätzte Entfernung als auch diesen Orientierungspunkt, um zu beurteilen, ob du an der richtigen Stelle angekommen bist.
Vergiss den Rückkurs nicht
Auch der Rückweg gehört zur Planung einer Tauchroute. Bei einer geraden Linie über dieselbe Strecke liegt der Gegenkurs 180 Grad vom Hinkurs entfernt.
Schwimmst du zum Beispiel auf 70°, dann ist der Gegenkurs 250°. Bei einer Route mit mehreren Abschnitten kehrst du die Reihenfolge der Punkte um und bestimmst für jeden Abschnitt den Gegenkurs.
Angenommen, du schwimmst zuerst auf 70° zu Punkt A und dann auf 140° zu Punkt B. Für den geraden Rückweg folgst du den Abschnitten in umgekehrter Reihenfolge: von B auf 320° zurück zu A und dann auf 250° zum Startpunkt.
Der Rückkurs ist ein Hilfsmittel, keine Garantie, dass du genau am Einstieg herauskommst. Strömung, Abweichungen beim Schwimmen und wechselnde Bedingungen können deine Position beeinflussen.
Plane daher nicht nur, wie du einen Punkt erreichst, sondern auch, wie du sicher zurückkehrst. Berücksichtige dabei deine Erfahrung, deinen Buddy und die Bedingungen am Tauchplatz.
Rechne mit Strömung
Ein Kompass hilft dir, eine Richtung zu halten, aber er sagt dir nicht, welchen Weg du über Grund zurücklegst. Gerade an Tauchplätzen mit Strömung ist dieser Unterschied wichtig.
Schwimmst du gegen die Strömung, kostet das womöglich mehr Kraft, und du kommst weniger weit als erwartet. Mit der Strömung wirst du dagegen schneller versetzt. Auch Querströmung kann dazu führen, dass du nicht dort herauskommst, wo du nach Kurs und Flossenschlägen erwartet hast.
Ein paar praktische Hinweise:
- Prüfe die Bedingungen vorher. Berücksichtige die erwartete Strömung und entscheide, ob die geplante Route zu deiner Erfahrung passt.
- Nutze Orientierungspunkte. Prüfe, wo möglich, ob deine Umgebung dem entspricht, was du unterwegs erwartet hast.
- Verlass dich nicht nur auf Flossenschläge. Dieselbe Zahl von Schlägen kann bei unterschiedlicher Strömung eine andere Entfernung ergeben.
- Plane den Rückweg sorgfältig. Gegen die Strömung zurückzuschwimmen kann mehr Kraft kosten als erwartet.
- Passe deinen Plan bei Bedarf an. Die aktuellen Bedingungen und deine eigene Sicherheit sind wichtiger, als eine geplante Route zu Ende zu schwimmen.
In der Oosterschelde dreht die Strömung um die Stauwasserzeit. Die Strömung auf dem Rückweg kann dann anders stehen als auf dem Hinweg. Plane deinen Tauchgang deshalb um den Moment, in dem die Strömung stillsteht.
Lies, wann das Stauwasser fällt →Eine festgehaltene Route ist ein Ausgangspunkt für die Navigation. Sie ist keine Garantie, dass du ihr unter allen Bedingungen exakt folgen kannst.
Orientierungspunkte machen den Unterschied
Kurs und Entfernung sind nützlich, aber was, wenn du nicht sicher bist, ob du den richtigen Punkt erreicht hast?
Beschreibe deshalb auch, was man unterwegs erkennen kann. Das kann ein Pfeiler sein, ein Objekt, eine Veränderung des Grundes oder ein anderes deutliches Merkmal des Tauchplatzes.
Eine gute Route sagt nicht nur, wohin du schwimmst, sondern auch, worauf du achten kannst. Fotos und kurze Erklärungen helfen dabei. So kann sich ein anderer Taucher vorher ein besseres Bild von der Route und den Punkten machen, die ihm unterwegs begegnen.
Orientierungspunkte sind nicht immer sichtbar oder unverändert. Nutze sie daher als Ergänzung zu deiner Navigation und berücksichtige Sicht und Bedingungen.